Definition: ein Abbild mit einer Aufgabe
Ein digitaler Zwilling ist ein digitales Abbild eines realen Objekts. Das Objekt kann ein Gebäude sein, eine Maschine, eine Fertigungslinie oder ein Ablauf. Das Abbild steht für das Original, damit Menschen etwas damit tun können, ohne vor dem Original zu stehen: ansehen, prüfen, abstimmen, planen.
Der Begriff ist unscharf, weil er keine Mindestausstattung festlegt. Ein Zwilling kann ein einfaches Abbild sein oder ein Rechenmodell mit laufendem Datenstrom. Wer „digitaler Zwilling“ hört, sollte deshalb zuerst fragen, welche Aufgabe gemeint ist.
Die Arten: nach Gegenstand und nach Datenverbindung
Zwei Fragen ordnen das Feld.
Was wird abgebildet? Ein Bauwerk, eine einzelne Anlage oder ein Prozess. Für Gebäude und Fabrikhallen steht die Raumfrage im Vordergrund: Wie sieht es dort aus, wo liegt was, wie komme ich hin?
Wie ist das Abbild mit der Wirklichkeit verbunden?
- Über das Bild. Der Zwilling hält fest, wie das Objekt zu einem Zeitpunkt tatsächlich aussah. Er wird bei Bedarf neu aufgenommen. Das ist der visuelle Zwilling.
- Über Daten. Sensoren melden Zustände, das Modell rechnet mit, simuliert Szenarien und sagt Verläufe voraus. Das ist der datengetriebene Betriebszwilling.
- Als Mischform. Ein Abbild des Bestands dient als räumliche Grundlage, auf der Betriebsdaten angezeigt werden. Das ist ein eigenes Vorhaben mit eigener Technik, zusätzlich zum Abbild.
Keine dieser Arten ist die richtige. Sie lösen verschiedene Aufgaben und verursachen sehr verschiedenen Aufwand.
Welche Art brauche ich?
| Die Frage lautet | Passende Art |
|---|---|
| Wie sieht es dort aus, und was hat sich gegenüber dem Plan verändert? | Visueller Zwilling |
| Wie komme ich zu einem Bereich, den ich nicht selbst besuchen kann? | Visueller Zwilling |
| Wie ist der Zustand einer Anlage jetzt, und wie entwickelt er sich? | Datengetriebener Betriebszwilling |
| Was passiert, wenn ich einen Ablauf ändere? | Datengetriebener Betriebszwilling mit Simulation |
Der Test ist einfach: Braucht die Aufgabe Werte, die sich laufend ändern, oder reicht ein verlässliches Bild vom Bestand? Reicht das Bild, ist ein Aufbau mit Sensorik und Simulation mehr, als die Aufgabe verlangt.
Wo siteviewer einzuordnen ist
siteviewer liefert den visuellen Zwilling von Gebäuden: ein fotorealistisches, begehbares Abbild des tatsächlichen Zustands, das im Webbrowser läuft. Sensorik, Echtzeitwerte und Simulation gehören ausdrücklich nicht dazu. Wer ein Energiemonitoring, eine Anlagensimulation oder vorausschauende Wartung sucht, braucht dafür ein anderes Werkzeug.
Im Rundgang enthalten sind Begehen, Messen von Distanz, Fläche und Volumen, das Setzen von Punkten für Hinweise und Mängel, eine geführte Tour und das Teilen über einen Link. Wie der Zwilling für Bauwerke im Einzelnen aussieht und wie er sich von BIM und CAD unterscheidet, steht unter digitaler Zwilling für Gebäude und Fabriken.
Aufgenommen wird mit vorhandener Technik, in der Regel mit dem Smartphone, und zwar von Ihnen selbst. Wie der Ablauf aussieht, beschreibt Virtuellen Rundgang erstellen; was ein Rundgang grundsätzlich ist, steht unter 3D-Rundgang.
Ein Zwilling altert mit dem Original
Ein Abbild gilt für den Moment, in dem es entstanden ist. Beim visuellen Zwilling heißt das: Ändert sich ein Bereich, nehmen Sie ihn neu auf, und er wird in das bestehende Modell eingearbeitet. Das Gebäude muss dafür nicht komplett neu erfasst werden. Beim datengetriebenen Zwilling hält der Datenstrom das Modell aktuell, solange die Sensorik läuft und gepflegt wird.
Vor einem Vorhaben lohnt sich deshalb die Frage, wer den Zwilling in einem Jahr aktuell hält und mit welchem Aufwand.
Grenzen
Ein visueller Zwilling zeigt den Zustand zum Aufnahmezeitpunkt. Was nicht aufgenommen wurde, fehlt im Abbild.
Die Maße sind nicht automatisch vermessungstauglich. Messen ist im Rundgang enthalten, aber für zugesicherte Maße bleiben geeignete Vermessungs-, Scan- oder CAD-Daten nötig. Und ein siteviewer-Rundgang ist kein automatisch belastbares CAD- oder BIM-Modell.