Warum Unternehmen NavVis IVION und siteviewer vergleichen
Wer NavVis IVION und siteviewer nebeneinanderstellt, sucht in der Regel dasselbe: ein Gebäude digital begehbar machen, damit mehrere Beteiligte darüber sprechen können, ohne vor Ort zu sein.
Die beiden Wege dorthin sind aber verschieden, und der Unterschied beginnt vor der Software – bei der Frage, womit aufgenommen wird. Daran hängt fast alles Weitere: Anschaffung, Termine, wer die Aufnahme machen kann, und wie genau das Ergebnis am Ende ist.
NavVis IVION und siteviewer im Vergleich
Die Gegenüberstellung betrifft den Regelfall beider Produkte, nicht Sonderkonfigurationen.
| Kriterium | siteviewer | NavVis IVION |
|---|---|---|
| Erfassung | Fotos und Videos, aufgenommen mit vorhandener Technik – in der Regel ein Smartphone | Mobile Laserscanner aus eigener Fertigung; zusätzlich Import von Fremdscans im E57-Format |
| Aktualisierung | Der geänderte Bereich wird per Smartphone neu aufgenommen und eingearbeitet | Erneuter Scan-Durchgang des betroffenen Bereichs |
| Genauigkeit | Visuell-räumlich, typisch 0,5–2 cm; nicht automatisch vermessungstauglich | Vermessungsnahe Punktwolken als Grundlage für Scan-to-BIM und Bestandsabgleich |
| Datenarten | Fotorealistische Darstellung, Messwerkzeuge, Layoutbilder | Punktwolken, 360-Grad-Panoramen, IFC-Modelle, Orthofotos, Vektorkarten, seit IVION 12.0 auch Gaussian Splats |
| Zugang | Direkt im Webbrowser, ohne Installation beim Betrachter | Im Browser; Cloud- und eingebetteter Betrieb möglich |
| Voraussetzung beim Kunden | Ein Gerät, das ohnehin vorhanden ist | Erfassungshardware, entweder angeschafft oder über einen Dienstleister |
| Abrechnung | Demo kostenlos, danach Core oder Enterprise – siehe Preise | NavVis nennt keine öffentlichen Preise |
Gaussian Splatting bei NavVis
Mit dem Fall-26-Update in IVION 12.0 hat NavVis Gaussian Splats als eigene Darstellungsart eingeführt – neben den bisherigen Punktwolken und Panoramen. Wer nach *NavVis Gaussian Splatting* sucht, findet also seit Herbst 2026 eine offizielle Funktion, keine Ankündigung.
Das ist eine Bestätigung des Ansatzes, auf dem siteviewer aufsetzt: eine Darstellung, durch die man sich frei bewegt, statt zwischen festen Aufnahmestandpunkten zu springen. Zwei Hersteller mit sehr verschiedener Herkunft kommen damit zum selben Schluss darüber, wie ein Gebäude sich am besten betrachten lässt.
Der Unterschied bleibt trotzdem bestehen, und er liegt weiterhin davor: Die Splats bei NavVis entstehen aus Daten der eigenen Scanner. Bei siteviewer entstehen sie aus Aufnahmen, die jemand mit dem Telefon gemacht hat.
Wann siteviewer die richtige Wahl ist
siteviewer passt, wenn der Rundgang ein Verständigungsmittel ist und kein Vermessungsergebnis:
- Der Bestand soll dokumentiert werden, bevor umgebaut wird – schnell, und ohne auf einen Scan-Termin zu warten.
- Mehrere Standorte sollen erfasst werden, ohne dass für jeden Hardware oder ein Dienstleister organisiert wird.
- Der Zustand ändert sich häufig, und jede Aktualisierung soll ohne neuen Beschaffungsvorgang möglich sein.
- Es gibt niemanden im Haus, der einen Laserscanner bedient – aber jeden, der ein Telefon bedienen kann.
Wann NavVis IVION sinnvoll ist
Es gibt Aufgaben, für die siteviewer das falsche Werkzeug ist. Vier davon sind eindeutig:
Scan-to-BIM und Bestandsabgleich. Wenn aus der Erfassung ein Bauteilmodell entstehen soll oder geprüft wird, ob das Gebaute dem Plan entspricht, braucht es eine Punktwolke mit belastbarer Geometrie. siteviewer liefert keine.
Zugesicherte Maße. Messen ist bei siteviewer enthalten, aber es ist keine Vermessung. Wo eine Zahl vertraglich oder sicherheitsrelevant ist, führt der Weg über ein vermessendes Verfahren.
Vorhandenes NavVis-Ökosystem. Wer bereits Scanner im Haus hat und Personal, das damit arbeitet, hat die teure Hürde längst genommen. Der Vorteil der Selbstaufnahme wiegt dann deutlich weniger.
IFC-Modelle und Scandaten in einer Umgebung. IVION führt Punktwolken, Panoramen und BIM-Modelle zusammen. Wenn genau das der Arbeitsablauf ist, ist es dort besser aufgehoben.
Umgekehrt gilt: Vorhandene Punktwolken schließen siteviewer nicht aus. Sie lassen sich einbinden, etwa im E57- oder PLY-Format – gleich ob sie aus einem früheren NavVis-Projekt stammen oder erst entstehen. Voraussetzung sind sie nicht.
Grenzen
Ein siteviewer-Rundgang ist kein automatisch belastbares CAD- oder BIM-Modell. Maße dürfen nur verwendet werden, wenn ihre Genauigkeit mit einem geeigneten Verfahren nachgewiesen wurde.
Nicht aufgenommene oder verdeckte Bereiche lassen sich nicht zuverlässig rekonstruieren – und sie fehlen im Ergebnis, ohne dass ein Hinweis darauf erscheint. Große strukturlose Flächen, starke Spiegelungen, bewegte Personen und wechselndes Licht erschweren die Rekonstruktion; das gilt für bildbasierte Verfahren allgemein.
Datenschutz und Werkssicherheit gehören in die Aufnahmeplanung, nicht in die Nachbearbeitung.